Skip to content

60-jähriges Vereinsjubiläum

05.05.2016

(js) Das 60-jährige Bestehen bescherte der Rudergesellschaft Marktheidenfeld am vergangenen Wochenende ein großes Fest. Von Donnerstag, Christi Himmelfahrt, bis Sonntag beging man das Jubiläum mit verschiedenen Veranstaltungen und Ehrungen innerhalb des Vereins. Die Verantwortlichen hatten das Fest unter das Motto „60 Jahre – eine Feier für den Verein“ gestellt.

Bereits zum Vatertag gab eine Wanderfahrt von Gemünden nach Marktheidenfeld den Auftakt. Mit über 20 Teilnehmern aller Altersklassen von jung bis alt nahm man die Tagesstrecke in Angriff. Bestes Wetter, das der RGM die ganze Zeit zur Seite stand, machte die Fahrt zum Erlebnis. Bestens organisiert von Rudolf Liebler erreichten sogar zwei über achtzigjährige Teilnehmer, die sich selbst in die Ruder gelegt hatten, scheinbar mühelos das Ziel am Bootssteg. Dort warteten bereits viele andere Mitglieder und begrüßten die Wanderfahrer mit einer zünftigen Brotzeit.

Nach einem Ruhetag ging es am Samstag dann mit viel Programm weiter. Am frühen Nachmittag stand eine Vereinsregatta auf dem Plan. Im Rennmodus Boot gegen Boot ging es in verschiedenen Renn- und Altersklassen an den Start auf der Sprintstrecke. Ziel war der Bootssteg, wo die Ruderer, die in jedem Rennen bis zum Schluss spannende Rennen boten, von den Zuschauern kräftig angefeuert wurden. Vom Einer über den Zweier bis hin zum Vierer wurde gestartet. Mit dabei waren ehemalige Junioren-Weltmeister, Deutsche Meister, aber auch aktuelle Rennruderer, Kinder- und Freizeitruderer. Spaß hat es dank der Organisation von Bruno Perner und Thomas Zaiser allen gemacht.

Weiter ging es mit verschiedenen Bootstaufen, wie es sich für das Jubiläum eines Rudervereins gehört. Neben dem generalsanierten Motorboot, das künftig den Namen „Coach“ trägt, wurden ein Einer, ein Zweier und ein Vierer getauft. Der gebraucht gekaufte Renn-Doppelvierer wurde – in Anlehnung an seine Farbe – auf den Namen „Mr. White“ und der neue Renn-Doppelzweier unter Bezugnahme auf das erste Stahlschiff, das den Atlantik überquerte, auf „Bengee“ getauft. Besonders erfreulich war die Taufe des Einers, bei dem es sich um ein Geschenk einer Familie vom Chiemsee handelt. Er trägt künftig den Namen „Steinie“, für den eine aktuelle Bierflaschenform Pate stand. Daneben wurde auch der generalsanierte Konditionsraum wieder feierlich seiner Bestimmung übergeben. Vom Boden bis zur Decke wurde alles grundgereinigt bzw. neu gemacht. Besonders ins Auge sticht die neue Spiegelwand und die neue Musikanlage geht ins Ohr. Unter der Leitung von Johannes Rauh und Christian Carl wurden hier von verschiedenen Mitgliedern ca. 800 Arbeitsstunden geleistet. Darüber hinaus freuten sich die Verantwortlichen auch über die Unterstützung von außen.

Im Rahmen eines Sektempfangs begrüßte anschließend der Vorsitzende der RGM, Thomas Stamm, die Anwesenden. Über 120 Teilnehmer zeigten, dass eine Feier über den Verein hinaus, sämtliche Grenzen gesprengt hätte. So beschränkten sich die Grußworte auf die der Ersten Bürgermeisterin Helga Schmitt-Neder, die für die Stadt Marktheidenfeld sprach. Sie verwies auf die sportlichen Erfolge der Rudergesellschaft mit dem Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft und die Drachenbootrennen. Diese hätten große Bedeutung für die Stadt Marktheidenfeld gehabt. Robert Volk sprach für die S-Klasse, die Aktivsenioren der RGM. Er würdigte dabei die Verdienste, die der derzeitige Vorsitzende Stamm um den Verein erworben hat. Auch Rudolf Steiner ergriff das Wort. Er hob auch die Bedeutung von Christa Gebhardt, Hans Langefeld und Frieder Bock hervor. Sie seien wichtige Persönlichkeiten in der Vereinsentwicklung gewesen.

Im Rahmen seiner Festansprache unterstrich Stamm die Dinge, die die RGM geprägt haben. So zeichnete und zeichnet sich der Verein zunächst durch die sportlichen Aktivitäten, allen voran das Rudern in den verschiedensten Altes- und Leistungsklassen aus. Diese brachten bereits zahlreiche sportliche Erfolge auf allen Ebenen hervor. Daneben zeichnet sich das Vereinsleben vor allem aber durch die gelebte Kameradschaft, Freundschaften und den Zusammenhalt aus. In personeller Hinsicht gab es in der Vereinsgeschichte bislang nur vier Vorsitzende, was für die Kontinuität spricht. Zählen konnte die Vorstände stets auf das große und insbesondere breit aufgestellte Engagement der Mitglieder. Neben verschiedenen gesellschaftlichen Höhepunkten, wie Faschingsbälle, Herbstbälle, Tanz in den Mai oder Sportlerbälle gab es auch Großveranstaltungen in der Verantwortung der RGM. So im Bereich des Rudersports vor allem die Wanderrudertreffen 1968, 1981 und 1986 oder im Bereich des Freizeitsports die Drachenbootrennen um den Red Dragon Cup.

Weiter blickte Stamm auf dreimal 20 Jahre der Vereinsgeschichte zurück. So stellte er die Zeit von 1956 bis 1976 unter die Überschrift „Die ersten zwanzig Jahre“. Der Startschuss fiel seinerzeit am 14.05.1956 bei der Gründungsversammlung im Gasthaus Sorg, als 34 Damen und Herren aus Marktheidenfeld die RGM aus der Taufe hoben. Gründungsvorsitzender war Dr. Hans Werner Colhoun. Insbesondere mit der Veranstaltung von verschiedenen Bällen wurde zunächst die Finanzierung des Vereins vorangetrieben. Mehr oder weniger sportlich ging es zunächst mit ersten gebrauchten Klinker-Booten auf dem Main. Das erste Bootshaus stand noch direkt unterhalb der alten Mainbrücke, bis 1967 der Bau des heutigen Bootshauses und der Umzug in die Georg-Mayr-Straße folgten. Einen maßgeblichen Anteil am sportlichen Aufstieg der RGM hatte der langjährige Trainer Frieder Bock, den es beruflich 1963 nach Marktheidenfeld verschlagen hatte. Von den ersten sportlichen Erfolgen hat er die RGM zu Deutschen Meisterschaften und internationalen Erfolgen geführt und zu einer festen Größe im Deutschen Rudersport entwickelt und etabliert. Zum Abschluss des Rückblicks auf die Anfangszeit ehrte Stamm die Gründungsmitglieder und für 50 Jahre Vereinszugehörigkeit Theo Deppisch, Klaus Ditter, Christa Gebhardt, Friedrich Gebhardt, Guntram Grön (posthum), Wilma Hochbein-Stapf, Karl-Ludwig Stahl (entschuldigt) und Karl Weissenberger mit einer Ehrennadel und einem von Karl-Ludwig Stahl gestifteten Bild des alten Bootshaus. Ebenso erhielten die Ehrennadel des Deutschen Ruderverbandes für 50 Jahre Mitgliedschaft in einem Verbandsverein: Heinrich Angermann, Hans-Dieter Langefeld, Rudolf Weber, Claus Hajek, Dieter Foertig, Ludwig Petz, Gunther Träger und Horst Martin. Anlässlich des Jubiläums überreichte Hajek dabei dem Verein ein Ölgemälde, welches das alte Bootshaus zeigt, als Geschenk.

Den zweiten Block des Rückblicks bildeten die Jahre 1976-1996: „Die RGM ist Weltmeister“. In diese Zeit viel der Vorsitz von Dieter Winsauer ab 1976 und von Thomas Stamm ab 1994. Die bislang größten sportlichen Erfolge der RGM werden in dieser Epoche errudert. Höhepunkt war 1979 der Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft in Moskau durch Dietmar Hamberger und Bruno Perner unter dem Trainer Frieder Bock. Auch Petra Schirmer, geborene Marshaus, schafft den Sprung als Schlagfrau in den Deutschen-Frauenachter. Nur der Boykott 1980 verhindert die Teilnahme an den
Olympischen Spielen in Moskau. 1981 wird der legendäre „Bayern-Express“ mit Perner und Hamberger wird bei der Weltmeisterschaft in München Fünfter im Achter. Weitere beachtliche Erfolge im Juniorenbereich auf nationaler Ebene rundeten diese zwanzig Jahre ab. Zu Beginn dieses Abschnitts fanden Sigrid Lorenz, Heinz Rothaug, Gerhard Ronge,
Susanne Gebhardt, Franz Müller und Inge Petz zur RGM. Sie erhielten die Ehrung für 40 Jahre Vereinsmitgliedschaft. Ebenfalls in den Zeitabschnitt fiel der Vereinsbeitritt der für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrten Elke Hajek, Ludwig Betz, Ingrid Kausemann und Guntram Fetz.

Zuletzt fasste Stamm die Jahre 1996 bis 2016 als „Die Zeit der Drachenboote in Marktheidenfeld“ zusammen. Auch hier wurden im Juniorenrudern verschiedene Medaillen geholt und im Jahr 2006 durch Thomas Zaiser und Christian Carl die Deutsche Sprintmeisterschaften im Doppelzweier errungen. 2000 fand das erste Drachenbootrennen statt. Was im Kleinen begann, führte zu jährlichen Großereignissen in Marktheidenfeld. Bis zu 1.800 aktive Teilnehmer waren zeitweise am Start. Zehntausende Zuschauer verfolgten die Rennen und vergnügten sich am Mainkai. Höhepunkte waren dabei auch die Prämierungen der Team Outfits. Daneben wurde das Team Rowing auf dem Ruderergometer eingeführt, eine Erfolgsgeschichte im Wintertraining. Durch die Einführung von VHS-Kursen fand darüber hinaus eine Öffnung des Vereins für ein breites Interessentenfeld statt und sprach besonders Erwachsene mit sportlichen Ambitionen an.

Stolz zeigte sich Stamm auch, was den aktuellen Zustand des Vereins angeht. 315 Mitglieder, ein aktiver Ruderbetrieb von jung bis alt und eine gute Nachwuchsarbeit zeigen, dass die RGM gut aufgestellt ist. Gemeistert werden kann dies vor allem, weil auch viele jüngere Mitglieder sich engagieren und Verantwortung übernehmen. Schließlich dankte Stamm allen, die zum Gelingen der Jubiläums-Feierlichkeiten beigetragen und denen, die die Anschaffung der neuen Bestuhlung, die anlässlich des Jubiläums in Angriff genommen worden ist, unterstützt haben.

Im – Dank der Organisation von Sigrid Lorenz – toll dekorieren Festsaal verbrachten die Vereinsmitglieder einen schönen und sehr kurzweiligen Festabend in bester Stimmung. Ein außergewöhnliches Buffet fand guten Anklang. Seinen Abschluss fand der Jubiläumsabend im Clubraum, der zur Disko umfunktioniert worden war, und in dem Cocktails gereicht wurden. Trotz der langen Feierlichkeiten konnte zum Ausklang dann am Sonntagmorgen nochmals gemeinsam gerudert werden.